In 40 Bildern von Oxford nach Wien (Teil 1)

Unsere Radtour von Oxford nach Wien liegt schon einige Monate zurück und nun steht schon unser nächstes großes Abenteuer vor der Tür… In letzter Zeit hat sich viel bei uns getan und zwischen arbeiten, wieder in Wien ankommen, Freunde und Familie wiedersehen und Vorbereitungen für unser Abenteuerjahr treffen, ist keine Zeit für unseren Blog geblieben. Bevor unsere große Skitour beginnt, wollen wir euch aber noch ein bisschen von unserer Radfahrt durch Europa erzählen. Es ist nicht leicht, eine 6-wöchige Tour kurz zusammenzufassen. Wenn wir von unserer Reise erzählt haben, haben wir nie über die Tour „als Ganzes“ geredet, sondern über spezielle Aspekte, die besonders prägend waren. In diesem Sinne haben wir uns 40 Bilder rausgesucht, die für uns wichtige Aspekte unserer Radtour symbolisieren.

Abschied von England

Zwei Tage sind wir durch England gefahren, bevor wir in Portsmouth die Fähre bestiegen haben. Vor allem das Losfahren in Oxford ist uns wirklich schwer gefallen. Das Verabschieden von Freunden, das Verlassen der uns inzwischen vertrauten Umgebung. Die Verabschiedung von England im Allgemeinen wurde uns ein bisschen leichter gemacht, da sich das englische Wetter von seiner unfreundlichsten Seite gezeigt hat. Aber in Erinnerung bleibt uns die sehr schöne Zeit, die wir in England verbracht haben.

Viennoiseries genießen in Frankreich

Leben wie ein Radfahrer in Frankreich – herrlich! In jedem kleinen Dorf eine wunderbare Bäckerei – und als Radfahrer haben wir auch immer genug Appetit um das Sortiment ausgiebig zu verkosten.

Irrsinn Krieg

Einer der eindruckvollsten Plätze, die wir auf unserer Fahrt gesehen haben, waren die Soldatenfriedhöfe in der Normandie. Besonders hat uns der deutsche Friedhof beeindruckt, an dem 15.000 Soldaten der Wehrmacht begraben sind. Dieser Friedhof ist ein sehr bewegendes, sehr düsteres Mahnmal gegen den Krieg und die unfassbare Anzahl von Toten, die hier bestattet sind, machte uns sehr betroffen – zumal in nahezu allen Gräbern Männer liegen, die jünger als wir waren, als sie gestorben sind. Und über all dem schwebt natürlich das Wissen, dass diese Toten für und wegen einer fürchterlichen Ideologie gestorben sind.

Zweitfrühstück

Wenn man den ganzen Tag Rad fährt, wird man ganz schön hungrig. Auch im Vergleich mit mehrtägigen Wanderungen haben wir für uns festgestellt, dass der Kalorienverbrauch beim Radfahren besonders groß ist. Ein paar Stunden nach dem Frühstück, so etwa gegen 10:30, hat sich immer ein großes Loch in unseren Mägen aufgetan und wir haben begonnen nach einer Bäckerei Ausschau zu halten. Was für ein Glück, dass es auf unserem Weg (vor allem in Frankreich) so viele Bäckereien gab! So haben wir immer etwas Gutes für unser Zweitfrühstück, eines unserer Lieblingsrituale beim Radfahren, gefunden. Man muss nur aufpassen, dass man diese Gewohnheit dann nicht mit in den Alltag nimmt – denn Zweitfrühstücksappetit wäre eigentlich immer vorhanden 😉

Radeln an der Normandie-Küste

Wenn man sich unsere Radroute auf einer Karte ansieht, wird man schnell merken, dass wir nicht gerade den kürzesten Weg von Oxford nach Wien gewählt haben. Ein Grund dafür ist, dass Mimi Martin die Normandie zeigen wollte – eine Gegend in der sie schon vor einigen Jahren mit ihren Eltern unterwegs war. Vom Wetter her hat sich die Normandie nicht gerade von ihrer schönsten Seite gezeigt und hat uns ordentlich herausgefordert, dennoch hat uns dieser Streckenabschnitt sehr gut gefallen. Die Sandstrände, die steilen Klippen, die hübschen Fachwerkhäuser, die hügeligen Felder und Weiden, die Omnipräsenz der Geschichte, der weite Blick aufs Meer… Direkt am Strand hat der Weg übrigens nie entlang geführt – das Bild ist entstanden, als wir bei Omaha Beach versucht haben eine Abkürzung zu nehmen. Abkürzung war’s keine, aber lustig war’s trotzdem!

Über den Pont de Normandie

Ein nicht gerade positives, aber sehr einprägsames Erlebnis war die Überquerung des Pont de Normandie auf dem Weg von Honfleur nach Le Havre. Honfleur war einer der Orte, den Mimi von ihrem Besuch mit ihren Eltern in besonders positiver Erinnerung hatte – mit seinem alten Hafenbecken, der norwegisch anmutenden Holzkirche und den vielen Restaurants, bei denen man draußen sitzen kann und eine Salade au chèvre und ein Glas Cidre genießen kann… Für uns war das Honfleur-Erlebnis leider vom Regen, eher kühlen Temperaturen und einem vorrübergehenden Energietief etwas getrübt. Energie haben wir nach Honfleur aber noch gebraucht, wir wollten ja noch die mehr als 2 km lange Brücke, die sich über die Mündung der Seine spannt, überqueren. Wir hatten uns vorher noch im Tourismusbüro erkundigt und zugesichert bekommen, dass die Brücke auch per Fahrrad befahren werden darf, mussten dann aber bald einsehen, dass dies keine so besonders gute Idee ist. Der Radstreifen (auf dem Bild rechts neben Mimi) war ein schmaler, von der restlichen Fahrbahn nur optisch getrennter Streifen. Abgesehen davon, dass die Autobahn, die über die Brücke führt, sehr stark befahren ist und wir permanent von LKWs überholt worden wären, ging auch ein ordentlicher Wind, der es gar nicht so einfach machte den Lenker stabil zu halten… Wir entschieden uns also für Schieben – auf dem Fußgängerstreifen, der etwas geschützter ist. Das war ganz schön anstrengend, immerhin liegt die Brücke am höchsten Punkt über 50 Meter über dem Wasserniveau! Als wir ziemlich geschafft am anderen Ufer angekommen sind, ist die Radroute Eurvélo 5 leider nicht viel fahrradfreundlicher weitergegangen… Der Weg führte uns nämlich (ohne Radstreifen, in Begleitung einiger LKWs) auf einer Schnellstraße durch das Hafengebiet von Le Havre. Das war eindeutig der Streckenabschnitt auf unserer Tour, der am wenigsten Spaß gemacht hat – und vermutlich auch der gefährlichste. Letzten Endes ist der Tag aber sehr gut zu Ende gegangen, da wir das Glück hatten, in der Stadt ein großartiges, preiswertes Hotel zu finden, in dem wir unseren Hunger stillen, uns duschen und ausruhen konnten. So wird Le Havre doch noch in positiver Erinnerung bleiben!

Hilfe von Fremden

Was uns unterwegs immer wieder sehr positiv überrascht und unglaublich dankbar gemacht hat, war wie freundlich und hilfsbereit Fremde auf uns zugekommen sind. Ein spezielles Erlebnis in Criel-sur-Mer wollen wir euch kurz beschreiben: Wir machten uns gerade daran, den ersten Hügel des Tages zu erklimmen, als Martin stehen blieb und um Hilfe bat – seine Kette war einmal wieder herausgesprungen. Wir hatten schon eine gewisse Routine beim Wieder-Hineinwurschteln der Kette und so ging es gleich wieder weiter. Doch schon nach wenigen Metern war die Kette schon wieder heraußen. Da kam ein Herr, der uns vorhin schon beobachtet hatte, zu uns hinüber und betrachtete das Fahrrad kritisch. Mimi kann zwar gut französisch, verstand aber am Anfang trotzdem nichts, da er mit Fahrrad-Fachvokabular um sich warf. Nach einigem hin und her hatten wir dann aber doch verstanden: Martin dürfe die unteren Gänge nicht verwenden, sonst würde ein Teil seiner hinteren Schaltung („la patte du dérailler“) in die Speichen geraten und er hätte einen Totalschaden. Also war fürs Erste schieben angesagt…

Der Herr, der sich anscheinend gut mit Fahrrädern auskannte und zu Fuß auf den Hügel hinaufging, schloss wieder mit uns auf und fragte, ob wir eh wüssten wie wir das reparieren können. Das verneinten wir, hofften aber auf eine Fahrradwerkstatt in Eu, dem nächsten größeren Ort. Daraufhin bot er uns an doch mit ihm mit zu kommen, er habe Werkzeug in seiner Garage, wohne nicht weit weg von hier und könne sich Martins Schaltung zumindest einmal ansehen. Wenig später befanden wir uns in seiner professionell ausgestatteten Garage und er machte sich ans Werk. Tatsächlich schaffte er es, Martins Schaltung zumindest vorübergehend so weit zu richten, dass wir ohne weitere Probleme bis nach Düsseldorf, wo es dann ein echtes Radservice gab, fahren konnten. Zum Schluss gab es für uns beide noch eine Kettenreinigung und -Ölung sowie gute Wünsche für den weiteren Weg.

Zurück in Wien schickten wir an einige Leute, die uns unterwegs beherbergt hatten, Postkarten. Von diesem netten Herrn wussten wir allerdings keinen Namen, aber die Adresse seines Hauses konnten wir mit Hilfe von google maps herausfinden. So schickten wir also auch an ihn eine Karte mit der Anschrift „An den netten Herrn, der uns mit dem Fahrrad geholfen hat“ und hofften auf einen kompetenten Briefträger. Wenig später bekamen auch wir in Wien Post – ein sehr persönliches und richtig berührendes Dankesschreiben aus Criel-sur-Mer.

Durchhalten

Nicht alle Tage waren ganz einfach. Gerade in den ersten zwei Wochen hatten wir nasses und kaltes Wetter. Aber da muss man halt durch. Das ist leichter gesagt als getan und mehr als einmal haben wir uns gefragt, ob das wirklich noch Urlaub ist, was wir hier machen. Aber mit dem Ziel vor Augen, dass wir „nach Hause fahren“, hat’s geklappt: wir haben durchgehalten 🙂

Die Warmshowers-Community

Unterwegs haben wir oft im Zelt geschlafen, bei Freunden übernachtet und eine für uns neue Form der Beherbergung ausprobiert: warmshowers! Dabei handelt es sich um eine Internet-Plattform, auf der Fahrradenthusiasten anderen Leuten, die gerade auf längeren Radtouren unterwegs sind, Hilfe unterwegs anbieten – eine warme Dusche, eine Radreparatur, eine Mahlzeit oder eine Übernachtungsmöglichkeit. Während wir in Oxford gewohnt haben, waren wir als „Hosts“ eingetragen und haben ein paar Mal Radfahrer auf der Durchreise beherbergt. Dabei haben wir richtig nette Leute kennengelernt! Nun wollten wir auch die andere Seite von warmshowers kennenlernen und waren richtig begeistert davon. Wir haben in England, Frankreich, Belgien, Deutschland und Österreich unglaublich liebe, hilfsbereite, offene und gastfreundliche Menschen kennengelernt, das war eines der schönsten Erlebnisse unterwegs! Besonders schön war es auch in Antwerpen einen Radfahrer wieder zu treffen, der bei uns in Oxford zu Besuch war. Nach einem lagen Radtag durch unerbittlichen Regen hat bei ihm zuhause schon eine warme Suppe und ein herzlicher Empfang auf uns gewartet – wunderbar!

Kaffeepausen

Mindestens so wichtig wie das Vorankommen ist auch das Pausenmachen. Sich Zeit nehmen um über das Erlebte nachzudenken und zu reden. Tagebuch schreiben. Entspannen. Eine gute Tasse Kaffee genießen. An den köstlichen Kaffee im Society Café in Oxford ist unterwegs kein anderer Kaffee rangekommen, aber wir haben doch immer wieder sehr nette Cafés mit ausgezeichnetem Kaffee gefunden. Das Bild stammt aus einem Café in Ghent, in dem zu unserer Überraschung auch Almdudler serviert wurde. Eigentlich wollten wir dort nur kurz einkehren um dem Regen zu entkommen, da der Regen dann aber nicht aufhören wollte, sind wir gleich mehrere Stunden sitzen geblieben und haben uns sehr wohl gefühlt.

Uns so richtig fit fühlen

Das Schöne an einer langen Tour ist, dass man merkt wie man immer fitter wird. Anstiege, bei denen man am Anfang noch zwischendurch Pausen machen muss, sind später kein Problem mehr. Und die 126km, die wir am letzten Tag gefahren sind, sind uns dann gar nicht mehr so besonders anstrengend vorgekommen.

Regen, Regen, Regen

In den ersten zwei Wochen unserer Tour hatten wir nicht gerade Glück mit dem Wetter – es war kühl, windig und sehr regnerisch. Unsere Tourmotivation wurde so richtig auf die Probe gestellt! Wir haben diese Zeit aber gut überstanden und wurden dann in den folgenden vier Wochen mit herrlichem Altweibersommerwetter belohnt. Insgesamt sind wir wettermäßig also ganz gut ausgestiegen! 🙂

Stricken unterwegs

Während unserer Zeit in Oxford habe ich, Mimi, das Stricken wieder für mich entdeckt und bin mittlerweile ziemlich strick-besessen. Es war also klar, dass auch Strickzeug in meine Radtaschen gepackt werden musste! Unterwegs sind zwei Hauben entstanden – eine für mich, eine für Martin – und ich habe an einem Weihnachtsgeschenk gearbeitet – blau-weiße Fäustlinge mit nordischem Muster. In den Pausen am Wegesrand und abends im Zelt (mit Stirnlampe) stricken zu können, war eine tolle Entspannung und hat viel Spaß gemacht!

Das Radnetz in den Niederlanden und Belgien

… ist großartig. Im Gegensatz zu allen anderen Ländern, in denen wir unterwegs waren, ist dort das Fahrrad echt als Fortbewegungsmittel (und nicht nur als Freizeitbeschäftigung) etabliert. In den beiden Ländern gibt es nicht nur ein sehr dichtes Netzwerk an Radwegen, sondern auch ein geniales System zur Navigation auf diesen Wegen: jeder Fahrradweg-Kreuzung ist eine Nummer zugeordnet und an diesen Kreuzungen sind mit Wegweisern die nächsten nummerierten Kreuzungen angeschrieben. Wenn man also von A nach B möchte, kann man sich von einer App eine Nummern-Sequenz erzeugen lassen und diesen Nummern folgt man, bis man das Ziel erreicht. Das erlaubt ein schnelles Vorankommen ohne dass man sich mittels Karten orientieren müsste. Abgesehen von diesem genialen System gibt es wunderschöne Radwege entlang von Kanälen und durch Wälder.

Kirchen und Kathedralen

Unsere Radfahrt entlang vom Rhein hat uns ein Best-of von Kirchen und Kathedralen geboten: Kölner Dom, Aachener Dom (wohin wir einen kleinen Extra-ausflug gemacht haben), Wormser Kathedrale, Straßburger Kathedrale, Freiburger Münster, Basler Münster… Allesamt sehr beeindruckende Bauwerke!

Abstinenz von Online-Medien

Auf den Webseiten der Zeitungen gibt es stündlich Breaking News, irgendwo tut sich immer irgendwas Wichtiges. Aber zumindest während einer Radfahrt betrifft uns nur das Allerwenigste dieser Nachrichten. Um dieser Nachrichtenspirale zu entkommen und uns mehr auf unser eigenes Erleben konzentrieren zu können, haben wir beschlossen während unserer Fahrt keine Online-Nachrichten zu lesen (aber Print-Zeitungen waren erlaubt). Ein erfolgreiches Experiment, wie wir finden. Der Politik sind wir natürlich trotzdem nicht entkommen, denn sowohl in Deutschland als auch in Österreich war der Wahlkampf voll am Laufen. Und wahrscheinlich gab es zu dem Zeitpunkt niemanden, der die Wahlplakate so viel diskutiert hat wie wir – schließlich sind wir wochenlang an ihnen vorbeigefahren.

Der romantische Mittelrhein

Burgen auf jedem Hügel, Hänge mit Weinreben, der mäandernde Rhein, die Loreley, die Nibelungensage, der Drachenfels … und ein großartiger Radweg entlang diesem wunderschönen Stück Deutschlands. Wanderwege gibt es dort auch schöne, haben wir gehört…

Geschichte am Wegesrand

Immer wieder wurden wir überrascht, was wir zufällig am Wegesrand entdeckten. Als eindrucksvolles Beispiel sei ein uralter jüdischer Friedhof in Worms genannt, auf dem die ältesten Gräber mehr als 1000 Jahre alt sind. Auf den Gräbern wichtiger Rabbiner hinterlassen die Besucher Zettelchen mit Gebeten und beschweren diese mit Steinen. Ein sehr beeindruckender, uralter Ort – gut, dass wir dort gehalten haben.

Der industrielle Rhein

Die Radfahrt entlang vom Rhein war eine durchaus interessante Mischung aus Natur, Kultur und Industrie. Wir waren überrascht zu sehen, wie viele Frachtschiffe schwer beladen auf dem Rhein unterwegs sind. Besonders beeindruckend war der Containerhafen von Mannheim. Unser Radweg hat uns auch immer wieder direkt durch Schotterwerke durchgeführt, an großen Stauanlagen vorbei und in die unmittelbare Nähe von Atomkraftwerken gebracht – das ist eben auch ein wichtiger Teil von Deutschland.

Kochen am Camping-Kocher

Was wir am Zelt-Leben und am Unterwegs-Sein besonders mögen, ist das Kochen am Campingkocher. Bei unseren ersten gemeinsamen Wanderungen hatten wir uns noch vorwiegend von Packerlnudeln und -Suppen ernährt, diese sind aber weder besonders gesund noch abwechslungsreich. So haben wir mit der Zeit verschiedenste Rezepte ausprobiert und haben nun eine ganze Sammlung an wohlschmeckenden, gesunden Unterwegs-Rezepten. Bei diesem Mittagessen haben wir es uns besonders gut gehen lassen und haben vegetarische Burger gebraten. Besonders oft haben wir während dieser Tour „Risotto a la Paul“ gekocht, ein Pilzrisotto, das nach einem lieben Oxforder Freund benannt ist, der uns immer zu herrlichen Abendessen eingeladen hat.

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