Expedition Kanelbullar: Adieu, treue Weggefährten!

Schweren Herzens muss ich mich nach nur vier Jahren von euch verabschieden. Ihr wart mir stets treue, bedingunslose Begleiter und bei großen und kleinen Abenteuern mit dabei, habt alle meine verrückten Ideen unterstützt und mir dabei nicht nur Halt und Sicherheit gegeben, sondern auch Gemütlichkeit, Geborgenheit und Zuversicht geschenkt. Ihr habt mich in schweren Zeiten begleitet und wart für mich – quasi als Erbstück – eine ganz besondere Verbindung zu meiner Mama. Ihr seid mit mir ins Ausland gezogen und habt mit mir Neues gewagt, ihr habt mich immer wieder raus in die Natur gelockt und mich dorthin gebracht, wo ich mich am wohlsten fühle.

Auf dem Pembrokeshire Coast Path, meiner ersten Wanderung alleine

Euren größten Auftritt hattet ihr nun auf der Wanderung vom Nordkapp durch die Finnmarksvidda bis nach Kilpisjärvi in Finnland. Über 500 km habt ihr mich begleitet, und das obwohl ihr schon vor unserem Aufbruch erste Ermüdungserscheinungen gezeigt habt und einer ersten fachmännischen Reparatur unterzogen werden musstet. Mit Ausdauer und Elan habt ihr mich über die weiten Ebenen der Tundra getragen, mich vor dem Versinken in Sümpfen bewahrt, mich steile Felshänge hinaufgetragen, Flussüberquerungen gemeistert, Regen über euch ergehen lassen und selbst staubige Schotterstraßen bei sengender Hitze ertragen.

Wüstenfeeling auf dem Weg nach Kautokeino, Nordnorwegen

Ihr habt sogar heldenhaft einem vorübergehenden Besitzerwechsel zugestimmt und so nicht nur zu meinem, sondern auch zu Julias Wanderwohl beigetragen!

Wir präsentieren: kurzzeitiger Schuhwechsel mit Julia

Nun kann ich eure leisen, immer häufiger auftretenden Hilferufe nicht mehr ignorieren: ihr wollt und könnt einfach nicht mehr. Eure Nähte platzen, die Gummisohle beginnt sich langsam aber sicher vom Leder zu trennen und an einigen Stellen löst sich auch der Außenstoff auf… Ich kann es euch nicht verübeln, denn ich habe euch ganz schön beansprucht, liebe Wanderschuhe! Danke, dass ihr tapfer bis Kilpisjärvi durchgehalten habt und mich nicht mitten im einsamen Fjäll im Stich gelassen habt. Euren Ruhestand habt ihr euch nun wahrlich verdient und es bleibt mir nur mehr zu sagen: Danke für die großartige gemeinsame Zeit! 

Es reicht!

P.S.: Ich werde euch immer in ganz besonderer Erinnerung behalten und es wird bestimmt nicht einfach sein geeignete Nachfolger für euch zu finden. Ob die neuen Schuhe, die ich mir nun unfreiwillig im örtlichen Sportgeschäft kaufen musste, euch in irgendeiner Weise ersetzen können? Die nächsten Wochen werden es zeigen und ich hoffe sehr, dass die Neuen in eure Fußstapfen treten können.

5 Gedanken zu „Expedition Kanelbullar: Adieu, treue Weggefährten!“

  1. Ohne euch und Mimis sorfortiger Bereitschaft euch für ein paar Tage her zu borgen hätte ich die lange Wanderung bis Kautokeino wohl nicht geschafft! Somit fühle ich mit Mimi mit, bedanke mich sehr bei euch und euren Besitzerinnen und wünsche Mimi, dass sie würdige Nachfolger findet!

    1. Ich freu mich, dass meine Schuhe auf unserer Wanderung gleich zwei Leuten helfen konnten! 😉 Die neuen Schuhe sind zwar nicht gerade Liebe auf den ersten Schritt, aber wir werden uns schon noch anfreunden… schönen Gruß, Mimi

  2. Manche Dinge sind eine Zeit bei uns zu Gast, verschönern unser Leben, sind uns treu wenn wir wollen. Auf Deine schönen Worte Mimi können Deine Wanderschuhe stolz sein, machen alle Mühsal unter Deinen Fußsohlen wett! Liebe Grüße in den Norden, Georg
    PS Gerade habe ich Henning Mankells Gummistiefel gelesen. Scheint eine schwedische Tugend zu sein, die Nahebeziehung zum Schuhwerk … schön.

    1. Danke! Es gibt tatsächlich auch Leute, die hier im Fjäll mit Gummistiefeln unterwegs sind – hat bei Sümpfen und Flussüberquerungen seine Vorteile, aber für mich wäre das nichts! Schönen Gruß nach Wien, ich freue mich schon auf ein Wiedersehen! Mimi

  3. Liebe Mimi, Dein Nachruf auf Deine Schuhe ist wunderbar! Wer je erlebt habt, welche Schmerzen die falschen, übelwollenden oder sonstwie nicht brauchbaren Schuhe weh tun können, versteht, was Du meinst.
    Anna hatte vor Kurzem einen langen Bergabstieg mit Schuhen, bei denen die Sohle im Zehenbereich mit einem Schlag weggeploppt war, zu meistern. Ich erinnere mich nicht genau, womit sie die Verbindung von „oben“ zu „unten“ hergestellt hat, es waren jedenfalls sehr unkonventionelle Hilfsmittel, die man auch ständig nachjustieren musste…
    Ich hoffe, Deine Nachfolgeschuhe sind bereits mit Dir „verwachsen“ und wünsche Euch gutes Weiterwandern (und uns viele Berichte und Bilder).
    BussiBri

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