Wasserwandern entlang der Themse

Eine Woche nach unserer ersten Themsen-Befahrung haben wir wieder unser Packraft in den Rucksack gesteckt. In der Zwischenzeit hat es einmal stark geregnet, was – aufgrund der vom Winterregen vollgesaugten Böden – sofort zu Hochwasser auf der Themse geführt hat.

Sportplatz in Oxford, vermutlich mit englischem Rasen

Hochwasser auf der doch eher gemütlichen Themse ist weniger wild als es klingt. Tatsächlich führt es vor allem zu etwas stärkerer Strömung – genau was wir uns wünschen – und braunem Wasser. Wir sind mit dem Rad nach Sandford-on-Thames (Englische Städte haben durch die Bank großartige Namen) geradelt, wo wir vor einer Woche unsere Paddeltour beendet hatten. Der Weg dorthin hat uns schon erahnen lassen, dass wir auch abseits der Themse heute noch mit Wasser in Berührung kommen würden. WIE viel Kontakt wir noch mit Wasser hatten, hat uns dann aber doch überrascht! Aber zuerst einmal radelten wir vergnügt durch große Lacken / kleine Seen.

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Bei der Schleuse in Sandford ließen wir unsere Räder zurück und es ging per Packraft weiter. Paddeln brauchten wir dieses Mal nicht sehr viel. Die Strömung trug uns flott flussabwärts, nur ab und zu mussten wir etwas steuern.

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Was für eine herrliche Art voran zu kommen: gemütlich im Boot, Frühlingssonne im Gesicht, ab und zu ein wenig paddeln, meistens aber nur das vorbeiziehende Ufer betrachten. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir die nächste Schleuse kurz vor der Kleinstadt Abingdon-on-Thames.

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Nach einer Stärkung mit einem Sandwich ging es wieder zurück Richtung Sandford – und ab dem Zeitpunkt begann es so wirklich nass (und abenteuerlich) zu werden. Unser Plan war dem Thames Path bis Sandford zu folgen. Dieser Treppelweg führt direkt entlang der Themse. Vom Boot aus hatten wir schon gesehen, dass der Pfad teilweise überflutet ist. Tatsächlich aber hatten die Regenfälle den Thames Path zu einem Teil der Themse werden lassen, gerade noch seicht genug um nicht schwimmen zu müssen.  😉

Schon nach wenigen Minuten mussten wir knöcheltiefes Wasser durchqueren.

Das viele Wasser half nicht unbedingt bei der Orientierung und nach etwa einer Stunde befanden wir uns in einem überfluteten Wald, auf der Suche nach der Themse, knietief im Wasser.

Wir arbeiteten uns langsam in Richtung Themse vor bis plötzlich der nächste Schritt keinen Boden mehr fand – Martin konnte gerade noch sein Gleichgewicht halten. Vor uns befand sich ein 2m breiter Wassergraben, der als solcher nicht so leicht zu erkennen war in einem überschwemmten Wald. Nach etwas Beratschlagen beschlossen wir wieder auf das Packraft umzusteigen, um diesen Graben zu überqueren. So ein praktisches Ding!

Packraft aufpumpen während man im Wasser steht. Funktioniert auch, wie wir jetzt wissen.

Auf diesem Wege erreichten wir schließlich wieder den Thamse Path, aber nur um festzustellen, dass dort teilweise genauso hoch das Wasser stand. Unser Rückweg nach Sandford dauerte daher deutlich länger als geplant.

Der Thames Path
Der Thames Path, hier immerhin optisch durch Schilf von der Themse getrennt.

Vor allem der letzte Kilometer bis Sandford, dann schon in der Dämmerung, führte durch besonders tiefes Wasser. Nicht immer war klar ersichtlich, wo die Themse endet und der Thamse Path beginnt. Eingehakt, um nicht auszurutschen, haben wir aber auch das geschafft.

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Manchmal ist das Nachhause kommen genauso schön wie das Abenteuer selbst. Spricht dafür, dass das eher schon in Richtung „Type 2 Fun“ (siehe unten) gegangen ist. Rückblickend war es auf jeden Fall ein Riesenspaß – währenddessen die meiste Zeit eigentlich auch!

Spaß und Abenteuer – eine Skala

Type 1 Fun: Spaß während dem Abenteuer. Zum Beispiel: eine Wanderung mit toller Landschaft bei gutem Wetter, wilde Beeren am Wegesrand, bergab Mountainbiken, Kajaken bei spiegelglattem Meer, …

Type 2 Fun: Rückblickend betrachtet eine tolle Sache. Währenddessen darf aber ab und zu die Frage aufkommen, warum man nicht zu hause am Sofa geblieben ist. Zum Beispiel: Kajaken bei Schüttregen, Wandern mit Gelsenplage, kalte Nächte in feuchten Schlafsäcken, anstrengende Geröllfelder, …

Type 3 Fun: Währenddessen eine Qual, auch rückblickend keine positive Erinnerung oder sogar ein Fehler. Haben wir zum Glück noch nie erlebt, aber zum Beispiel falsch eingeschätzte Risiken, die zu Verletzungen führen. „Spaß“ in diesem Kontext gehört definitiv unter Anführungszeichen.

6 Gedanken zu „Wasserwandern entlang der Themse“

  1. Liebe Mimi! Lieber Martin!
    Es ist soweit, jetzt bin ich vollends im Großmutterstatus. „Kinder, pass’s auf euch auf!!!“
    Während des Lesens über euren Themese-Thames Path-Ausflug habe ich mir schreckliche Sorgen um euch gemacht. Die Sinnlosigkeit dieser Gefühlsüberflutung ist mir schon klar: Wie solltet ihr den Beitrag denn sonst geschrieben haben, als wiedergekehrt ins trockene Heim?
    Dann habe ich mich an der Nase gepackt und mich für euch gefreut, ein echtes Abenteuer erlebt zu haben und war froh, so einen plastischen Bericht lesen zu können.
    Den Mutigen gehört die Welt!!!
    Liebe Grüße aus dem verschneiten Neuwadegg von Gabi

    1. Liebe Gabi, schön dich als Leserin zu haben! Wir hoffen, du wirst dir nicht bei allen Beiträgen, die wir hier posten, Sorgen um uns machen müssen! 😉 Von Schnee sind wir hier sehr weit entfernt, es deutet schon alles auf Frühling hin… Alles Liebe, Mimi

  2. Hallo Ihr Zwei,
    der Sportplatz mit englischem Rasen ist vermutlich genau DER Sportplatz mit englischem Rasen, weil er wochenweise unter Wasser steht (Hinweis aus dem Hoamatl: warum ist das Salzkammergut so schön grün?? ;-))))
    Euer Abenteuergeist ist überwältigend – ich habe genau wie Gabi gedacht, die riskieren was, wenn sie einen überschwemmten Wasserweg gehen, der – wie Ihr locker feststellt – immerhin optisch durch Schilf von der Themse getrennt ist!!! Da bin ich aber wirklich beruhigt….
    Im Ernst: toll, wie Ihr kaum angekommen Euer Umfeld erkundet, und die Bilder beweisen, dass Ihr reich belohnt werdet!
    Alles Gute weiterhin und danke im Voraus für jeden Bericht
    Brigitte

    1. Hallo Brigitte! Mittlerweile hat sich das Wasser hier wieder zurückgezogen und alles ist wieder schön grün. Überhaupt sind die Wiesen hier schon erstaunlich grün (oder werden die im Winter gar nicht braun?). Letztens sind wir sogar über eine Wiese spaziert, wo gerade frisch gemäht worden war – herrlich, dieser Duft! Schöne Grüße, Mimi

  3. Liebe Mimi, lieber Martin

    ich habe mir heute neue Wanderschuhe gekauft, um sie nächste Woche in England das erste Mal testen zu können! Nachdem ich aber die Bilder gesehen habe, hätte ich vielleicht eher in überdimensional große Gummistiefel oder eine Fischerhose investieren sollen ! 😀

    Freue mich schon sehr auf euch und auf unsere gemeinsamen Ausflüge 🙂

    1. Keine Angst, unseren Gästen tun wir solche Kneipp-Wanderungen sicher nicht an! (Oder wir werden zumindest versuchen es zu vermeiden ;-)) Freu mich schon sehr auf euren Besuch, bis bald!

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