Vier Tage South West Coast Path

Der South West Coast Path folgt mehr als 1000km der englischen Küstenlinie und inkludiert zur Gänze die Küste von Devon und Cornwall. Wer uns kennt, wird wenig überrascht sein, dass wir schon einige Zeit von diesem Weg träumen: wandern mit Blick aufs Meer, wilde Klippen. Im August sind wir vier Tage dem South West Coast Path gefolgt, ein großartiges Erlebnis.

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Tag 1

Nach einer längeren Fahrt in einem überfüllten Zug erreichen wir Barnstaple in Devon. Am Bahnhof ist der Pfad schon angeschrieben und wir gehen sofort los. Die ersten Kilometer sind anstrengend und führen über endlos gerade Asphaltwege. Auch sehen wir noch nichts vom Meer, da wir einem Fluss folgen, der dann ins Meer mündet. Nach 10km erreichen wir Instow, wo ein weiterer Fluss ins Meer mündet. Diesen Fluss kann man per Fähre überqueren – doch nur bei Flut. Die vielen Boote die halb versunken im Schlamm stecken, lassen uns klar wissen: weiter die Straße entlang bis zur nächsten Brücke.

Ebbe bei Instow

Erst gegen Ende des Tages erreichen wir auf der anderen Seite des Flusses einen tatsächlichen Pfad, dem wir noch ein wenig folgen bevor wir beginnen uns nach einem Lagerplatz umzusehen. Unsere Wahl fällt auf einen Strand. Wir bauen unser Tarp auf und genießen ein Festmahl: Nudeln mit Prosciutto- und Käsesauce. Ein warmes, gutes Essen in der freien Natur nach einem Tag Wandern ist und bleibt ein wahrer Genuss!

Dämmerung über Instow, nun auf der anderen Seite des Flusses

Es beginnt dunkel zu werden und wir ziehen uns in unsere Schlafsäcke zurück. Wir stellen unseren Wecker auf drei Uhr früh, da wir uns nicht ganz sicher sind, wie weit die Flut das Wasser steigen lassen wird. Unser nächtlicher Kontrollgang gibt Entwarnung, das Wasser hält genügend Respektabstand und unserem weiteren Schlaf steht nichts im Wege.

Weitere Eindrücke vom ersten Tag:

 

Tag 2
Ein neuer Tag

Der neue Tag begrüßt uns mit schönem Wetter. Nach einem Frühstück im Zelt (Porridge – what else) starten wir in Richtung der kleinen Stadt Appledore. Der Weg dorthin führt uns vorbei an etlichen Booten und Schiffen, die jetzt – wieder bei Ebbe – etwas verlassen im Schlamm stecken. Sogar das eine oder andere Bootswrack kommt zum Vorschein.

Das Meer erreichen wir gegen Mittag. Vor uns breitet sich ein kilometerlanger Strand aus, inklusive Badegäste und Eisverkäufern. Davon inspiriert spazieren wir bald darauf barfuß und mit Eis in der Hand den Strand entlang. Dennoch ist unsere Tarnung als Strandurlauber eher mangelhaft. Ich glaube nicht, dass wir jemanden getäuscht haben. 🙂

Bademode 2016, South West Coast Path Edition

Wir erreichen schließlich die Stadt mit dem klingenden Namen „Westward Ho!“, ein offensichtlich beliebtes Urlaubsziel. Sobald wir Westward Ho! hinter uns gelassen haben, beginnt der South West Coast Path so wirklich. Grüne Wiesen, steil abfallende Klippen, das blaue Meer und ein schmaler Pfad, der sich die Klippen entlang schlängelt. Es ist heiß, fast schwül. Ein kleiner Bach gewährt uns eine ersehnte Abkühlung.

Über dem Meer sieht man wie Wolkentürme entstehen, die vom Wind in Richtung Landesinnere geblasen werden. Hier entsteht also der uns wohl bekannte englische Regen. „Guten Tag, Grüße an Oxford!“, wünschen wir den Wolken und wandern weiter im Sonnenschein.

Tag 3

Strahlender Sonnenschein, majestätische Klippen, saftige Weiden auf denen Schafe, Rinder und Pferde grasen, und – das gehört auch einmal erwähnt – mit Mimi die perfekte Wanderkumpanin mit dabei. Eine gemütliche Mittagspause auf einer frisch gemähten Wiese, mit Blick aufs Meer, ein wenig im Gras rasten. Ein Tag unterwegs kann nicht besser sein.

p1030982Am Nachmittag erreichen wir Hartland Point, geschmückt durch einen pittoresken Leuchtturm. Hier endet der Bristolkanal und vor uns breitet sich der Atlantik aus.

Hartland Point
Hartland Point

Wir haben uns ambitionierte Tagesetappen vorgenommen und diese sind fordernder als wir erwartet haben. Denn alle ein bis zwei Kilometer hat sich ein kleiner Bach mit seinem eigenen kleinen Tal  einen Zugang zum Meer gegraben. Für uns heißt das steile 100 bis 200 Meter hinab und dann gleich wieder hinauf. Im Laufe des Tages durchqueren wir viele solche kleine Täler.

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Ein kleiner, steiler Weg führt wieder hinauf – aber die Kulisse lässt die Anstrengung vergessen.

Einem Pub mit Meerblick können wir schließlich nicht mehr widerstehen. Wir genießen Fish&Chips und ein Bier und betrachten das Meer und die wilde Klippen. Die Möwen betrachten uns und unser Abendessen. Danach gehen wir noch weiter bis zum Einbruch der Dunkelheit und schlafen auf einer Wiese entlang vom Pfad. Was für ein Tag!

Tag 4

Der vierte und letzte Tag wird zu einer Herausforderung. Einerseits müssen wir bis zum späten Nachmittag bei unserem Ziel (Bude) ankommen, um noch einen Bus zu erreichen, der uns Richtung Oxford mitnimmt. Andererseits ziehen schon in Früh Regenwolken auf und es ist schnell klar, dass wir heute die Atlantikküste von einer anderen Seite erleben werden.

p1040102Eine Stunde später wandern wir im Regen. Aber die Aussicht ist so spektakulär wie gestern und der Regen dämpft unsere Stimmung kaum.

p1040107Der Regen wird stärker und stärker. Gegen Mittag marschieren wir im strömenden Regen entlang von den riesigen Satellitenschüsseln einer Abhöranlage des britischen Geheimdiensts GCHQ. Da hilft nur Kapuze hochziehen und lächeln.

p1040136Als wir uns Bude nähern, sind wir längst vollkommen durchnässt. Durch unser hohes Tempo war uns bis jetzt nicht kalt, aber kaum dass wir an der Bushaltestelle stehen, merken wir, wie schnell uns unsere Energie verlässt. Der Bus lässt zum Glück nicht lange auf sich warten und wir nutzen die Busfahrt um unsere letzten trockenen Sachen anzuziehen und uns aufzuwärmen. Der Busfahrer sieht seinen Beruf sportlich: er rast die schmalen Nebenstraßen entlang, weicht bei Gegenverkehr ein Stück in die Hecke aus und bremst nur bei Bushaltestellen. Eine weitere Zugfahrt bringt uns spät am Abend nach Oxford, voll von Erinnerungen an vier wunderbare Tage und mit dem Wunsch, mehr vom South West Coast Path kennen zu lernen.

Fazit

Der South West Coast Path war landschaftlich eine der tollsten Wanderungen, die wir je gemacht haben. Anstrengend, aber ein großes Vergnügen egal ob bei Regen oder Sonne.

2 Gedanken zu „Vier Tage South West Coast Path“

  1. Wunderbare Bilder, danke dafür! Ich bewundere Euren Elan, aber Ihr werdet reich belohnt für Eure Mühe, und wir sitzen bequem in der warmen Stube und erfreuen uns an herrlichen Photos!

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