Havsäventyr – wo die Robben wohnen

Seit wir das erste Mal die Wetterinseln besucht haben, hat es uns in den Fingern gejuckt, die Überfahrt mit unserem Kajak zu probieren. Wetterinseln? Wo sind wir hier?

Die größte der Wetterinseln, Storö, bei unserem Besuch 2013

Die Wetterinseln, oder Väderöarna wie sie eigentlich heißen, sind eine Inselgruppe  außerhalb der Schären vor Fjällbacka an der schwedischen Westküste. Während die kleinen Inseln nahe der Küste einander Schutz vor Wind und Wetter bieten, sind die Wetterinseln – dem Namen gemäß – dem Wetter des Skagerraks ausgeliefert. Wenn wir innerhalb der Schären auf glattes Meer blicken und Windstille herrscht, kann es auf den Wetterninseln ganz schön stürmisch sein.

mapDas erste Mal haben wir die Wetterninseln Ende des Sommers 2013 besucht, zufälligerweise nur wenige Stunden nach dem wir unser Kajak gekauft hatten. Als absolute Anfänger sind wir damals aber natürlich nicht mit unserem Kajak hinausgepaddelt, sondern mit einem Schnellboot, dem die Wellen nichts anhaben konnten, hingebracht worden. Wir haben uns damals mit Mimis Eltern die Hauptinsel (Storö) angesehen, das alte Lotsenhaus besichtigt und sind über die Insel spaziert. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten mehrere Familien auf der Insel, inklusive einer Lehrerin für die Kinder der Lotsen. Deren einfache, in klassischem Schwedenrot gestrichenen Häuser gibt es heute noch. Sie beherbergen nun Gäste des Wetterinsel-Hotels, das das ganze Jahr über offen hat und in dem wir nach unserer Inselbesichtigung eingekehrt sind. Obwohl die Inseln karg und zerklüftet sind, befindet sich in der Mitte von Storö eine Wiese mit See und sogar ein kleiner Wald. Uns hat die wilde und ausgesetzte Natur der Wetterinseln damals sehr gefallen und wir haben uns vorgenommen wiederzukommen – aber das nächste Mal mit unserem Kajak!

Im Vordergrund sieht man die Häuschen des Hotels, rechts im Hintergrund den alten Lotsenturm.

Während unseres heurigen Schwedenurlaubs haben wir beschlossen, genügend Erfahrung gesammelt zu haben um uns an unseren Wetterinsel-Plan zu wagen. Wir warteten Tage mit wenig Wind ab (zumindest innerhalb der Schären) und machten uns dann für eine zweitägige Kajakfahrt bereit. Unser Plan: Wir paddeln am ersten Tag zu den südlichen Wetterinseln und erkunden diese. Am zweiten Tag paddeln wir Richtung Norden zu Storö und von dort wieder zurück Richtung Festland. Bei der Planung hat uns der äußerst praktische Führer Paddla kajak i Bohuslän sehr geholfen und uns richtig Lust auf diese Tour gemacht.

Um zu den Wetterinseln zu gelangen, galt es zunächst ein etwa fünf Kilometer langes Stück offenes Meer zu überqueren. Obwohl der Wind auch hier nicht besonders stark war, waren die Wellen deutlich bemerkbar. Die Strecke war zwar anstrengend da wir nicht gut Pausen machen konnten, aber die Orientierung war einfach: die Wetterinseln waren von Anfang an am Horizont zu sehen. Bei Sonnenschein, tiefblauem Meer und guter Laune paddelten wir unserem Ziel, der Insel Hamnerö, entgegen.

Hamnerö mit den Fischerhütten liegt vor uns

Kaum hatten wir die erste kleine Insel erreicht, war das Meer wieder angenehm ruhig und wir glitten in Richtung Hamnerö. Dort stehen zwei alte Fischerhütten, die  Kajakern und Seglern zur Übernachtung zur Verfügung stehen. Was für ein toller Ort! Wir landeten am Sandstrand, schälten uns aus unseren nassgespritzten Kleidern und freuten uns, dass wir die einzigen Gäste waren.

Nach einer ausgedehnten Mittagspause setzten wir uns nochmal ins Kajak und steuerten Väderöbod an, eine der am meisten ausgesetzten Inseln. Dort befindet sich ein Leuchtturm mit der imposanten Höhe von 19 Metern. Wir wurden auf der Insel von freundlichen Mitgliedern des Väderöbod-Vereins begrüßt, die sich um die Instandhaltung des Leuchtturms und der historischen Gebäude kümmern. Ihr Angebot, uns eine Führung des Leuchtturms zu geben, nahmen wir sehr gerne an. Eigentlich hätte der Betrieb des Leuchtturms 2010 eingestellt werden sollen, allerdings erklärte sich der Verein bereit für die Instandhaltung zu sorgen und erwarb den Leuchtturm vom schwedischen Staat um eine Krone – also fast 12 Cent!

Von der Insel aus haben wir auch die ersten Robben gesehen, die sich auf flachen Felsen sonnten. Bei unserer Rückfahrt fuhren wir an diesen Felsen im Abstand von sicher 200 Metern vorbei, um die Robben nicht zu stören. Als die Robben uns bemerkten, setzten sie sich mit viel Eifer aber wenig Eleganz in Bewegung und waren Sekunden später im Wasser verschwunden. Wir hatten ein schlechtes Gewissen die Robben in ihrer Nachmittagsruhe gestört zu haben. Doch nach ein paar Minuten merkten wir, dass die Robben nicht vor uns geflüchtet waren, sondern nachschauen wollten wer denn hier vorbeikommt. Hinter unserem Kajak tauchten lauter Robbenköpfe auf und blickten uns neugierig an. Was für eine tolle Überraschung!

Erst kurz vor Hamnerö, also nach beinahe einer Stunde kajaken, verließen uns die Robben. Zurück auf Hamnerö erwartete uns ein Kajak-Essen erster Klasse: gegrillte Würstl und Gemüse mit Blick auf das ruhige Meer. Der Sonnenuntergang, der bald danach folgte, war der krönende Abschluss dieses herrlichen Tages: mehr und mehr verfärbte sich der Himmel und tauchte die Felsen in goldenes Licht.

Am nächsten Morgen erwartete uns ein grauer Himmel und der Wind hatte deutlich aufgefrischt. Unser erstes Ziel war Storö, die größte der Wetterinseln, wo wir Mimis Vater Gerhard, Gerda und Kiwi auf ein Mittagessen treffen würden. Hamnerö und Storö liegen nicht weit auseinander (etwa 3km), also hatten wir für den Vormittag nicht viel vor. Wir nützten daher die Zeit uns vom Kajak aus die vielen kleinen umliegenden Inseln anzusehen. Viele davon sind Naturreservate für Vögel und dürfen nicht betreten werden. Wieder wurden wir von unseren neuen Freunden, den neugierigen Robben, begleitet. Während unser Kajak mit den etwas höheren Wellen gut zurechtkam, dürfte die Überfahrt für Gerhard und Gerda im Motorboot nicht besonders vergnüglich gewesen sein. Dass uns die Wellen im Kajak weniger schaukeln lassen, wollten sie uns nicht recht glauben.

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Nach einem guten Mittagessen machten wir uns auf den Weg zurück. Auf uns warteten 8 Kilometer offenes Meer und Wind aus genau der falschen Richtung. Außerdem stellte sich das Navigieren diesmal als herausfordernd heraus: vom Meer aus waren die vielen kleinen Inseln der Schären nicht voneinander zu unterscheiden. Wir peilten daher mit Hilfe von Kompass und Karte grob die richtige Richtung an und paddelten los.

Nach einiger Zeit erkannten wir ein vertrautes Seezeichen, ein großer schwarzer Kreis auf Felsen gemalt, und konnten uns daher an diesem orientieren. Nach mehr als zwei Stunden ununterbrochenem Paddeln erreichten wir schließlich das ruhige Wasser der Schären. Unsere Arme verlangten mit Nachdruck nach einer Paddelpause. Wir waren stolz, die Wetterinseln nun auch aus eigener Kraft erreicht zu haben und kehrten voller eindrucksvoller Erinnerungen auf festen Boden zurück.

4 Gedanken zu „Havsäventyr – wo die Robben wohnen“

    1. Hej Kathrin, sorry dass das mit dem Freischalten von deinem Kommentar so lange gedauert hat – da ist was schief gelaufen. Kajaken ist echt was tolles, es ist eine großartige Art Insellandschaften wie zB in Bohuslän zu entdecken. Und was das Lernen betrifft: das geht recht schnell! Wir haben nie Unterricht genommen und bevor wir unser Kajak gekauft haben, haben wir nur einmal eins für zwei Tage ausgeborgt. Am Anfang waren wir halt immer nur bei Schönwetter und glattem Meer unterwegs, jetzt trauen wir uns auch Wind, Wellen und offenes Meer zu! 🙂 Alles Liebe, Mimi

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