Eis, Schnee und Kanelbullar – Kungsleden Teil 5

Unsere Wintertour am Kungsleden neigt sich schon langsam einem Ende zu. Vor kurzem haben wir die Singi-Hütte erreicht, von dort sind es nur noch vier weitere Hütten oder 73 km. Wir freuen uns schon sehr aufs Ankommen, auf eine feste Unterkunft, auf Frühlingsblumen, auf das Wiedersehen mit lieben Menschen. Es fühlt sich aber auch ein bisschen komisch an, dieses Skiwanderleben, die netten STF-Hütten, das tägliche Draußensein, den Schnee und die mächtigen Berge nun bald hinter uns zu lassen. Wer weiß schon wann und ob wir wieder eine so lange Wintertour unternehmen werden?

Um das Ende noch etwas hinauszuzögern und das großartige Wetter noch ein bisschen zu genießen, sind wir bei Singi nach Osten abgebogen (statt wie vorgesehen nach Norden weiterzufahren) um uns einer für uns ganz neuen sportlichen Herausforderung zu stellen: Der Gipfelbesteigung des höchsten Berg Schwedens mit Tourenskiern – mit einem Guide natürlich. Die hat dann nicht ganz so geklappt wie wir uns das vorgestellt haben, aber dazu gleich mehr.

Saltoluokta bis Singi

Die Strecke von 68 km haben wir in 4 Tagen zurückgelegt und dabei ganz unterschiedliches Terrain durchquert. Der erste Teil des Weges nach Saltoluokta hat uns über große regulierte Seen geführt. Hier in Lappland gibt es viele Wasserkraftwerke, die einen beträchtlichen Beitrag zur – umweltfreundlichen – schwedischen Stromerzeugung leisten. Das bedeutet aber auch, dass viele der alten Winterrouten, die von den Samen verwendet wurden, wenn sie ihre Rentierherden von den Bergen ins Tal und am Ende des Winter zurück ins Gebirge führen, nicht mehr zugänglich sind und die Rentiertransporte heutzutage oft per LKW gemacht werden müssen. Außerdem stellen die Staumauern und andere Regulierungen einen großen Eingriff in die Natur da. Zum Beispiel ist vom großen Wasserfall bei Stora Sjöfallet, der einst als Niagara-Fall des Nordens bezeichnet wurde, heute kaum noch etwas zu sehen. Noch wissen wir zu wenig um zu diesem Thema eine fundierte Meinung zu haben, es ist aber auf jeden Fall eine komplexe Angelegenheit, bei der die verschiedensten Interessen aufeinander stoßen.

Rund um die Seen strecken sich mächtige Berge empor, die wir bei herrlichem Sonnenschein bewundern konnten. Nach drei Tagen über Seen sind wir wieder in die Bergwelt abgebogen und haben den steilsten Anstieg unserer Reise bewältigt. Dann ist es gemäßigter durch schmale Täler weitergegangen. Und die ganze Zeit über hat uns großartiges Frühlingswetter begleitet.

Der Frühling ist da!

Es besteht kein Zweifel mehr, der Frühling hat es auch ins Gebirge im hohen Norden Schwedens geschafft! Die Vögel zwitschern in den Birkenwäldern, die Sonne scheint mit all ihrer Kraft und tagsüber hat es schon deutliche Plusgrade. Beim Skifahren ist uns so warm, dass wir die meiste Zeit nur in langärmeligen Leiberln unterwegs sind, Haube und Handschuhe brauchen wir keine und Mimi verzichtet auch auf die Skiunterhose unter der Skihose. Immer mehr schneefreie Flecken säumen den Weg und die Vegetation, die nun mehrere Monate versteckt war, blitzt hervor: Gräser, Moos, Flechten, Preiselbeerstauden… Mit diesen schneefreien Stellen kommen auch die Gerüche wieder – es riecht nach Waldboden, nach Erde, manchmal auch etwas sumpfig… Erst jetzt fällt uns auf, dass wir die letzten Wochen draußen in der Natur eigentlich nichts riechen konnten. Nun freuen sich unsere Nasen richtig über diese Stimulation!

Das Dach Schwedens

Die geführte Besteigung des Kebnekaise, dem mit 2098m höchsten Berg Schwedens, hat leider nicht ganz so geklappt wie wir uns das vorgestellt haben. Bei der Einführung am ersten Tag (Lawinensicherheit, Ausrüstung, etc.) ist Mimi nämlich beim Skifahren in ein „Loch“ aus sehr weichem Schnee gestürzt und hat sich dabei das Knie verdreht. Am nächsten Tag, an dem die Besteigung geplant war, hat sie ihr Knie kaum abbiegen können und – schweren Herzens – haben wir beschlossen dass nur Martin den Aufstieg mitmacht. Rückblickend war diese Entscheidung absolut richtig: der Aufstieg war auch ohne Verletzung ordentlich fordernd und Mimis Knie hat die Pause sehr gut getan.

Der Aufstieg war ganz schön schweißtreibend. Obwohl alle in unserer kleinen Gruppe nur mit Shirts bekleidet waren, haben die warme Sonne und der steile Anstieg ordentlich eingeheizt. Insgesamt sind es von der Bergstation (wo wir gerade zelten) bis zum Gipfel etwa 1400 Höhenmeter, den Großteil davon legt man mit Tourenski zurück. Gegen Ende der Route gibt es dann einen längeren Klettersteig, der mit Steigeisen bestiegen wird – Ski auf den Rucksack geschnallt. Sobald das geschafft ist, ist der Gipfel nicht mehr weit. Der Kebnekaise hat übrigens zwei Gipfel: den Sydtoppen, den wir bestiegen haben, und den Nordtoppen. Ersterer ist höher, aber nur aufgrund von einer dicken Eisschicht, die in den letzten Sommern mehr und mehr geschmolzen ist. Es könnte also sein, das bald im Sommer der nördliche Gipfel höher ist. Im Winter wird noch lange der südliche Gipfel höher sein, da sich nur dort Schnee ablagert.

Am Gipfel wird man von einem großartigen Panorama belohnt mit Aussicht auf die umliegende Berglandschaft, Täler und Gletscher.

Wie geht‘s weiter?

Wir fahren nun wieder westwärts und kehren bei Singi auf den Kungsleden zurück. Nach 4 oder 5 Tagen am Kungsleden werden wir dann Abisko erreichen, den nördlichen Endpunkt des Kungsleden. Diesen Teil des Weges kennen wir großteils schon von einer Sommerwanderung, die wir vor vier Jahren zusammen mit unserem Freund Florian und Martins Bruder Peter unternommen haben. Wir sind schon gespannt ob wir die Landschaft wiedererkennen werden oder ob alles ganz anders aussieht!

Danke…

…euch allen, die hier auf dem Blog so nette Kommentare hinterlassen oder uns auf anderem Weg alles Gute für diese Unternehmung gewünscht haben! Euer Interesse für unsere Tour, eure Fragen und lieben Wünsche sowie eure Unterstützung ganz im Allgemeinen bedeuten uns sehr viel! Danke!

Lieber Basti, dieses Bild ist extra für dich – so schauen wir nach 6 Wochen Skifahren aus!

 


Übersicht Serie „Eis, Schnee und Kanelbullar“:
[ Die ersten zwei Wochen | Kungsleden 1 | Kungsleden 2 | Kungsleden 3 | Kungsleden 4 | Kungsleden 5 | Kungsleden 6 | Zusammenfassung | Proviant | Ausrüstung ]

5 Gedanken zu „Eis, Schnee und Kanelbullar – Kungsleden Teil 5“

  1. Viel Freude noch, Genuss an den Anstrengungen und nicht zu viel Abschiedsschmerz wünscht euch Gabi, die euch bewundert und auch ein Bisschen beneidet!!!!!!

  2. .) Traumhafte Bilder!
    .) Wie war die Abfahrt vom Dach?
    .) Geht euch nicht langsam der Gesprächsstoff aus?
    .) Wie viele Menschen trifft man so pro Tag? (min/max, 1.Quartil, 3.Quartil und Median reichen mir)

    😉

    1. .) Danke!
      .) Großartig! Wobei der Schnee bei der unteren Hälfte teilweise schon recht weich war, also nicht ganz ideale Bedingungen. Aber ansonsten ein (durchaus anspruchsvolles) Vergnügen 🙂
      .) Nicht wirklich. Die meiste Zeit sind wir sowieso damit beschäftigt Entscheidungen zu treffen, Routen zu entscheiden, Essen zu planen, etc. Soviel „Freizeit“ zum Plaudern gibt’s unterwegs gar nicht 😉
      .) Der Median wird wohl so 2 Skifahrer und 4 Scooterfahrer sein. Einmal haben wir in 10 Tagen nur 2 Skifahrerinnen getroffen (wobei in der Zeit recht viele Scooter unterwegs waren). Am meisten Leute haben wir dann am Abend in den Hütten getroffen – da wird der Median wohl bei 5 liegen 🙂

  3. Liebe Mimi, lieber Martin!
    Endlich haben wir uns Zeit genommen, Euren Blog anzuschauen:-) Die Fotos und Berichte haben uns tolle Eindrücke von der Landschaft Schwedens vermittelt.
    Gerhard und Gerda waren heute bei uns, daher wissen wir, dass Ihr bereits gut auf der Insel angekommen seid. Sehr fein!
    Erholsame Wochen auf der Insel und alles Liebe wünschen Euch Uschi & Georg

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